
Wer in
einem anderen Land aufgewachsen ist (sozialisiert wurde) und zum ersten mal
nach Schweden reist, wird zunächst auf allerhand Überraschendes
stoßen, das auf den ersten Blick vielleicht etwas kurios anmuten mag.
Daher der Seitentitel. Für den Fall, daß es Dich interessiert,
habe ich im Folgenden einige dieser "Kuriositäten" zusammengestellt.
Ich beziehe mich hierbei ausschließlich auf meine eigenen Erfahrungen
und auf die Dinge und Begebenheiten, die mich persönlich bei meinen
ersten Schwedenbesuchen am meisten überraschten.
Alkohol - Elch - Flagge - Frischkost - Konsum - Medien - Pizza - Raum - Schnee - Schuhe - Tourismus - Wegweiser
Der
Kauf von alkoholischen Getränken ist in Schweden strikten Beschränkungen
unterworfen. Bier wird je nach Alkoholgehalt in Klassen eingeteilt, wobei
die Klasse I (1,8 %) und II (2,8 %) "Lättöl" (Leichtbier) genannt
werden und im Supermarkt frei verkäuflich sind.
Alle Getränke mit über 3,5 % Alkoholgehalt (z. B. das "Starköl" der Klasse III mit seinen ca. 5 %) müssen in sogenannten "Systembolagets" erstanden werden und sind hoch besteuert. Hier wird nach Ausweiskontrolle nur and Personen ab 20 Jahren Alkohol ausgegeben. Im Gegensatz zu anderen Geschäften haben die Systembolagets nur von Montags bis Freitags, also nicht am Wochenende geöffnet. Für's Wochenende gilt es also, vorzusorgen... *zwinker*
Die Einfuhrbeschränkungen von Alkohol nach Schweden wurden im Rahmen der EU zwar deutlich gelockert, allerdings gilt zur Zeit folgende Regelung: 20 Liter Wein (bisher fünf), 24 Liter Bier (bisher 15) und ein Liter hochprozentige Spirituosen (bisher ebenfalls ein Liter).
Was für herkömmliche TouristInnen auf Schnäppchenjagd
ein "Muß", ist den meisten SchwedInnen unbegreiflich: Die große
Verrücktheit nach Elchen. Wo in Deutschland auf den Verkehrswarnschildern
für Wildwechsel beispielsweise ein Reh zu sehen ist, gibt's in Schweden
eben Elche - für die EinwohnerInnen völlig normal. Aber für
viele TouristInnen die Attraktion schlechthin und ein Grund, sich heimlich
an Wegesrändern zu schaffen zu machen, um die Dinger zu entwenden
und dann als "Mitbringsel" mit nach Hause zu nehmen. Ein Ärgernis!
Allzu häufig wurde ich von neugierigen Einheimischen leicht befremdet gefragt, "was um Himmels willen wir doch alle mit den Elchen" zu schaffen hätten. Geschäftstüchtig, wie man ist, hat man sich jedenfalls in den "gift-shops" (Souvenirs) der großen Städte mittlerweile völlig auf diese Marktlücke eingestellt. Hier gibt's alles, was das TouristInnenherz begehrt: Massen an Elch-Plüschtieren, Elch-Aschenbechern, Elch-Shirts, Elch-Warnschildern.
TIP: Willst Du Dich in Schweden also sofort als TouristIn outen, dann ziehe doch einfach ein Elch-T-shirt an... :-)
Ein Phänomen der ganz anderen Art kann man in Schweden
an jeder Straßenecke beobachten: Schwedenflaggen wohin man schaut.
Es scheint fast so, als hätte jede/r SchwedIn ihre/seine eigene Landesflagge
im Garten. Die sieht dann meist so aus, wie auf dem Photo links. Doch
auch an Hauseingängen oder Balkongs (s. rechts) prankt das gute Stück.
Was in Deutschland (mit seiner ganz eigenen Schreckensgeschichte, und daher auch nicht von ungefähr, wie ich meine; Kommentare zu diesem Thema sind jederzeit willkommen) gleich einen leicht faschistoiden Charakter hat, ist für SchwedInnen ganz normal. Hier ist man "stolz auf sein Land," und das wird auch offen zur Schau getragen.
Wer in Schweden Obst und Gemüse kaufen will, muß sich schon ein wenig umschauen. Erstens ist Frisches hier ziemlich teuer, und sieht zum andern meist so aus, wie das, was anderorts bis zum Schluß liegen bleibt. Das mag wohl an den weiten Anfahrtswegen liegen. Bedauerlich ist es jedoch allemal.
Wie Pilze schießen auch in Schweden Einkaufszentren
aus dem Boden. Hier kann man beim Einkaufsbummel neben dem Gang in den
Supermarkt so ganz nebenbei auch noch seine Photos entwickeln lassen (häufig
sogar mit "Stunden-Service"), die Frühjahrs-Garderobe komplettieren,
sich das neueste Computermagazin besorgen und so ganz nebenbei auch noch
zur/zum FriseurIn. Und für den Fall, daß sich "der kleine Hunger"
einstellt, gibt's auch noch das obligatorische Cafe und/oder Schnell-Restaurant.
Diese Einkaufszentren haben meist täglich bis 21 Uhr geöffnet,
am Wochenende bis 18 Uhr.
Und in den Supermärkten selbst findet man wändeweise Süßigkeiten, und Limonaden mit Geschmacksrichtungen, von denen man hierzulande noch nie etwas gehört hat. Meine persönliche Lieblingskreation: "Grapefruit-Erdbeer-Limonade." *schüttel*
Weltoffen und flexibel zeigt sich Schweden in bezug auf seine Medien. Obgleich hier wohl eher aus der Not eine Tugend gemacht wurde (der "Markt" ist ganz einfach zu klein), könnte sich hiervon meiner Ansicht nach so manches andere Land gerne eine Scheibe abschneiden. Im Fernsehen (aber auch im Kino) z. B. wird alles außer für Kinder gedachte Sendungen unsynchronisiert in der Originalsprache (mit schwedischen Untertiteln) ausgestrahlt. Wen wundert's also, daß SkandinavierInnen ein viel besseres Englisch sprechen, als beispielsweise Deutsche?
Noch nie in
meinem Leben habe ich so riesige Pizzen gesehen (geschweige denn gegessen!)
wie in Schweden. Auf dem Photo links kann man vielleicht erkennen, daß
das Teil das gesamte Tablett überlagert. Es scheinen dort regelrechte
Wettkämpfe ausgetragen zu werden, welche Pizzeria die größten
Fladen backen kann. *kicher* Ob dies allerdings überall so ist, kann
ich nicht sagen, ich hab es bislang nur zweimal ausprobiert. Aber eine
"Kuriosität" war es auf alle Fälle. *g*
In Schweden wird großräumig gebaut. Bei der
geringen EinwohnerInnenzahl im Vergleich zur Landesfläche hat man
schließlich Platz... Die beiden Photos hier wurden inmitten eines
Ortes mit rund 10.000 EinwohnerInnen geschossen. Bebaute Viertel wechseln
sich ab mit idyllischen Landschaften, und das im Ortskern! Mit Ausnahme
der Großstädte finden sich hier kaum Mietskasernen. Man lebt hier
mit der Natur und in ihr. Sie wird einfach integriert.
Das
Schneeaufkommen in Schweden im Winter ist schon enorm. Im Gegensatz zu
Deutschland herrschen hier auch solch mehr oder weniger gleiche Temperaturen
vor, daß der Schnee über Wochen nicht wegtaut. Also wird er
halt an den Straßenrand verschoben, was zum Teil riesige Schneeberge
erzeugt. Auch Salz (von den negativen Auswirkungen für die Umwelt
mal ganz abgesehen) hilft bei diesen Minusgraden nicht mehr. Die Straßen
sind ständig zugeschneit, na, dann fährt man halt bissel umsichtiger.
*g* Wo hierzulande gleich das dicke Verkehrschaos ausbricht bei den ersten
winzigen Schneeflöckchen, fahren die SchwedInnen ganz normal drauflos.
Was soll's? Ist ja nur bissel Schnee...
In schwedischen Haushalten werden üblicherweise innerhalb des Hauses die Schuhe abgelegt. Wer möchte schon den Schmutz der Straße mit in die eigenen vier Wände tragen? Bist Du also irgendwo bei SchwedInnen zu Besuch eingeladen, solltest Du höflichkeitshalber diese Regel beachten.
Auf sehr unkomplizierte
Weise wird in Schweden mit Kulturstätten oder auch touristischen Sehenswürdigkeiten
umgegangen. Kulturdenkmäler werden hier beispielsweise von Schafen
"umgrast" (s. "Ekornavallen", Photo rechts), oder aber man muß sich
im Storchengang an Kuhfladen vorbeimogeln, um zu einer Schiffssetzung
(Arnundstorp, links) zu gelangen. Positiv daran ist, daß nicht überall
krampfhaft versucht wird, aus diesen TouristInnen-Attraktionen Profit durch
das Festsetzen von Eintrittsgeldern zu erzielen. Allenfalls eine kleine
Spardose, irgendwo unscheinbar in der Nähe plaziert, bittet darum, doch
gefüllt zu werden, aber völlig ohne Zwang. Jede/r kann selbst
entscheiden, ob oder wieviel sie/er erübrigen kann.
Dieses
typische Zeichen weist den Weg zu besonderen Sehenswürdigkeiten. Es
kommt häufig vor, daß man auf der Landstraße unterwegs
ist und über dieses Schild stolpert. Siehst Du es und bist gerade
nicht sehr in Eile, lohnt sich ein kleiner Abstecher meistens.
©Angelika Friedrich |
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